Funkelnde Steinjuwelen

In dem beliebten Guntramser Schaugarten mit seinen zahlreichen alten Obstsorten gibt es ein Open-Air-Museum mit funkelnden Kristallen, seltenen Edelsteinen und farbenfrohen Exemplaren von versteinertem Holz. Die sehenswerten Stücke kommen aus allen Erdteilen und bereichern die Streuobstwiese mit Jahrmillionen alten Kunstwerken der Natur. Herzstück der Sammlung ist ein weltweit einzigartiger Amethyst: Er ist 5,40 Meter hoch, an die 13 Tonnen schwer und kommt aus Uruguay (nähere Information zum Amethyst und Fotos vom Kristallgarten sind weiter unten auf dieser Seite zu sehen).

Das neue Open-air-Museum ist bis Ende August 2019 unentgeltlich zu besuchen. Ab 1. September kostet der Eintritt 8 Euro pro Person (darin sind 5 Euro Gutschein für den Guntramser Hofladen im Lokal Veranda enthalten).

Gut Guntrams und der Verein Arche Guntrams setzen sich für die Erhaltung der regional typischen Landschaftsformen und ihren Blumen, Wildkräutern und Schmetterlingen ein. Das Umfeld der Region Steinfeld, zu der Guntrams gehört, ist aber auch geologisch sehr vielfältig.

Auf diesem Terroir wachsen nicht nur die regionaltypischen Obstwiesen, Aulandschaften und Hügelwälder – das Terroir ist auch seit Jahrmillionen die maßgebliche Gestaltungskraft für wunderschöne Kristalle und Versteinerungen.

Öffnungszeiten des Museums: Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag von 9 bis 16 Uhr.

 

Neu: der weltweit mächtigste Amethyst
ist auf Gut Guntrams zu besichtigen.

Die große Druse im Kristallgarten von Gut Guntrams ist 5,40 Meter hoch, rund 13 Tonnen schwer und wurde in der Nähe der Stadt Artigas in Uruguay gefunden. Die einzigartige Schöpfung der Natur ist an die hundert Millionen Jahre alt. Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis der Amethyst aus dem Berg geborgen werden konnte. Im Juli 2019 wurde der Stein mit dem Schiff nach Europa gebracht und ist nun auf Gut Guntrams zum ersten Mal öffentlich zu besichtigen.
Drei Generationen Kristalle sind miteinander verwachsen: eine Schicht aus unterschiedlich farbenem Achat (Chalcedon), eine dünne Schicht aus Bergkristall und eine oberste Schicht aus Amethyst. Eine Besonderheit ist das sehr seltene Kristallwachstum: die Drusenwand ist nicht nur flach ausgekleidet, sondern die Kristalle sind in vielen Formationen (Wellen, Zapfen, Wölbungen) gewachsen.

Über Herkunft und Entstehung von Kristallen im Ursprungsgebiet. Kristalldrusen sind auskristalisierte Gasblasen eines Vulkans. Die Kristalle bestehen aus Quarz (Siliziumdioxid). Die verschiedenen Farben (Citrin, Rauchquarz, Amethyst) stammen von Metalloxiden.
Der Süden von Brasilien und die Grenzregion zu Uruguay und Argentinien war vor rund hundert Millionen Jahren das vulkanisch aktivste Gebiet der Erde. Wissenschaftler haben dort Lavaströme gemessen, die bis zu 2.000 Meter dick und bis zu 1.000 Kilometer lang sind. Diese Lava war ursprünglich sehr dünnflüssig und sehr reich an Gasblasen. Diese Gasblasen stiegen im flüssigen Gestein nach oben, ähnlich wie Luftblasen im Wasser, nur viel langsamer. Sobald das Gestein an der Oberfläche jedoch abgekühlt und verfestigt war, blieben die Gasblasen in einer oft meterdicken Schicht stecken. Dort ist das Gestein also durchlöchert wie ein Schweizer Käse.
Es ist relativ einfach, solche Gasblasen von außen zu erkennen: Das Umgebungsgestein ist grau, braun oder schwarz, die Gasblase dagegen haben fast immer eine grüne Außenfarbe, die auf Kupfer zurückzuführen ist. Je nach Mine sind die Drusen führenden Schichten zwei bis drei Meter dick, manchmal bis zu 5,5 Meter.
In den Blasen kühlten die enthaltenen Gase und heißen Flüssigkeiten mit der Zeit ab und bei dieser Abkühlung wuchsen die Kristalle. In die Gasblasen konnten später, etwa durch Risse im Gestein, nochmals heiße Gase und Flüssigkeiten vulkanischen Ursprungs eindringen, die dann wieder auskühlten; so wachsen Kristalle an den Innenwänden der Gasblasen manchmal in mehreren Generationen übereinander. Durch das Heißwerden und Abkühlen entstehen Spannungen im Gestein, die sich, teilweise schon vor Millionen Jahren, durch Risse gelöst haben; Risse können auch später entstehen, wenn der umgebende Bergdruck nicht mehr vorhanden ist.
Nahezu jede größere Kristalldruse hat daher Risse zufolge tektonischer Verschiebungen, Bergdruck und Vulkanismus. Solche Risse werden nachträglich stabilisiert, indem man Klebstoffe in die Risse laufen lässt und dann die Rückseite der Druse zur Erhöhung der Stabilität mit einer Schicht aus Beton verfestigt. Das ist notwendig, denn die Drusen könnten ansonst das eigene Gewicht des Muttergesteins und der Kristalle auf die Dauer nicht tragen. Daher ist die original kupferfarbene Außenschicht nicht mehr zu sehen.
Wie man Edelsteine findet und freilegt. In Uruguay gibt es an die drei Dutzend Minen, wo jeweils 5 bis 15 Personen auf eigene Rechnung auf der Suche nach Edelsteinen sind. Wenn Gasblasen entdeckt werden, dann graben die Garimpeiros (Edelsteinsucher) unter Tage um diese grünen Gebilde herum und legen sie frei, egal was sie für eine Form haben. Sie bohren dann ein kleines Loch, schauen rein, wie die Kristalle gewachsen sind und entscheiden erst dann, wie der Stein geöffnet wird. Würde man jeden Stein einfach nur in der Mitte auseinanderschneiden, dann könnten schön gewachsene Kristalle zerstört werden. Die Steine werden in wochen- und monatelanger Arbeit von Hand, mit Hammer und Meißel, aus dem betonharten Basalt herausgeklopft. Man darf nicht mit großen Maschinen arbeiten und auch nicht sprengen, denn sonst gingen die Steine kaputt.
Wie die violette Farbe entsteht. Farbgebend sind sogenannte Gitterdefekte aus einem Fe4+-Ion in tetraedrischer Anordnung, das heisst, aus Eisenatomen, die jeweils von vier Sauerstoffatomen umgeben sind. Solche Gitterdefekte entstehen durch Strahlen aus radioaktiven Zerfallsprozessen im umliegenden Gestein. Die zur Erzeugung der Amethystfarbe nötige Strahlungsdosis wird z. B. in granitischen Gesteinen durch den Zerfall des natürlich vorkommenden 40K-Isotops in etwa sechs Millionen Jahren bewirkt.